CAN

what CAN I say I can in a tin can can the can and the candyman can how far can you go dead can dance ameri can pie can you hear me you can say you to me candy o life in a tin can yes sir I can boogie cannibalism can you do this can ear can dy you can tune a piano but heaven can wait I can see clearly now I can help I can jive can you feel it nice work if you can get it big ones you can look at we’re an ameri can band I can see your house from here can I say I can in a tin can can the can and the candyman how far can you go dead can dance can you hear me

Haute Musicuisine aus der Konserve
Was haben Can und ein Big Mac („70 billions sold!" – 10.000 eaten) gemeinsam? Nun, erst mal gar nichts. Allerdings würde ich darauf wetten, daß auch Can immer mehr Fans als Plattenkäufer hatten, viele Can-Alben darüber hinaus nie zu Ende verdaut wurden, sich aber seit den späten 60ern ganz gut im Plattenschrank machen. Can sind Kult, und wie das bei Kult-Bands so ist, reichen die Statements von „Kultig!" bis „Can? Kenn’ ich nicht". Und ich denke, alle haben mal wieder Recht. Worum es hier geht? Um eine schräge, lebendige, interessante & verrückte Formation auf dem langen Weg aus den späten 60er Jahren ins dritte Jahrtausend.

Es geschah im Juni 1968 in Köln: In der Wohnung des Keyboarders, Dirigenten & Komponisten Irmin Schmidt (*1937), einem klassisch ausgebildeten Musiker mit Theatererfahrung, Experimentiergeist und Stockhausen-Connection, trafen sich Holger Czukay (*1938), ein Bassist mit ähnlich ernstem Background und offenem Weltbild, Schlagzeuger Jaki Liebezeit (*1938), der u. a. mit Tete Montoliu und Chet Baker zusammenarbeitete, der junge Rock- bzw. Beat-Gitarrist Michael Karoli (*1948) sowie ein Flötist namens David Johnson. Keine Frage: Bei so einem Meeting konnte es nur um neue musikalische Wege und Konzepte gehen – kennt man ja. Im Gegensatz zu Millionen ähnlicher Musikertreffen dieser Art, an die nur Unmengen leerer Pfandflaschen, Brandlöcher im Teppich und dicke Kräche mit dem Sänger erinnern, hatte diese Begegnung allerdings Folgen für die Musikgeschichte. Denn man entdeckte Gemeinsamkeiten und inspirierende Gegensätze.

Ihr Domizil findet die Künstlergruppe auf Schloß Nörvenich bei Köln, wo die Musiker ihr eigenes „Inner Space Studio" einrichten und auch live auftreten. Improvisation, Happening, Spontaneität, Sounds, Geräusche, handgemachte Instrumentalklänge, Tonband-Einspielungen, Jazz, Rock, Elektronik, Groove, Trance – das sind einige wichtige Zutaten, mit denen gearbeitet wurde, die man komponierte.

Der amerikanische Bildhauer Malcolm Mooney stieg bei einem Besuch spontan als Sänger in eine Session ein – und er blieb ebenfalls. Flötist David Johnson verließ dafür die Formation bereits gegen Ende des Gründungsjahres.

Erst in dieser Zeit kommt der bekannte Name „Can" ins Spiel – genauer: „The Can", die Konservendose also. Die war gegen Ende der 60er bekanntlich zum Kultobjekt avanciert, durch Andy Warhols diverse Dokumentationen einer Billigfertigsuppe des amerikanischen Herstellers Campbell. Später auf „Can" verkürzt läßt der Name dann weitere Assoziationen und Fehlinterpretationen zu: „Können die überhaupt was?" „Kann sein." und das eigentlich heute viel zu selten gehörte „Also, das kann doch jeder!".

Das erste Can-Album ,Monster Movie‘ (1969), wurde live in Zweispurtechnik aufgenommen, und hier passierte wirklich etwas Neues: Aufbauend auf sich endlos wiederholenden Rhythmus-Patterns, wurden Song-Strukturen des Rock genauso wenig bemüht wie Atonalitätszwangshandlungen des Free Jazz. ,You Doo Right‘ vom Debüt-Album paßte mit über 20 Minuten gerade noch so auf die B-Seite der Vinyl-LP. 1970 erschien ,The Can – Soundtracks‘ mit verschiedenen Filmmusiken aus den ersten anderthalb Jahren. Malcolm Mooney war hier noch bei einigen Tracks vertreten, hatte die Band allerdings schon wieder verlassen – aus gesundheitlichen Gründen ging er zurück in seine amerikanische Heimat.

Im Frühjahr 1970 stieg der Japaner Kenji „Damo" Suzuki als neuer Can-Sprecher ein. Czukay und Liebezeit entdeckten den ehemaligen „Hair"-Darsteller und Straßenmusiker in München, am Nachmittag vor einem Gig. Und wo andere Musiker mal wieder ein ausgiebiges Diskussions-Meeting mit Genußmittelverzehr angesetzt hätten „um mal über alles zu reden, Du", griff man hier zu. Selbstverständlich war Damo abends Teil der Can-Show im Blow Up ...

Story: Lothar Trampert
Fotos: edel contraire, L.J. Eifel

 

Die komplette Can-Story mit einem ausführlichen Interview mit Gitarrist Michael Karoli – das alles & noch eine Menge mehr kann man in Gitarre & Bass 04/99 nachlesen – ab Freitag den 12. März im Zeitschriftenhandel, bei guten Musikhändlern oder – für Abonnenten – beim Postboten erhältlich!

 

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