Robert Cray

Sein Spiel wird von Größen wie Eric Clapton, John Lee Hooker, Albert Collins, Johnny Copeland und B.B. King geschätzt – alles Musiker, die ihn zum Duett baten. Dennoch ist Robert Cray jede Art von Selbstzufriedenheit völlig fremd. Je mehr Fans, Kritiker und Kollegen den Ausnahmegitarristen zu den „wichtigsten Charakteren" des Blues zählen, desto öfter betont der freundliche Mittvierziger aus Columbus, Georgia, das Genre weder erneuern, noch prägen, sondern lediglich auf seine bescheidene Art bereichern zu wollen. Der Applaus ist ihm gewiß. Zumal Robert Cray gerade sein fünfundzwanzigjähriges Bühnenjubiläum begeht.

Elf Alben hat der Sohn eines US-Soldaten inzwischen eingespielt und wurde stets für seinen charakteristischen Sound, für stilvolle Gitarrenarbeit und seine gospelgefärbte Stimme gelobt. Ein „ganz Großer, wie Otis Redding" sei er, einer, der „den Blues der 80er" geprägt habe, ein „Traditionalist und trotzdem ein Wegbereiter", liest man stets über den Bluesman, der heute in San Francisco lebt. Er selbst sieht sich als Musiker, der Einflüsse aufsaugt, verarbeitet und auf seine eigene Art reflektiert. Das macht Sinn, schließlich ist Cray ein Blueser der zweiten Generation (siehe G&B 12/90 und 01/93). Doch seit er 1974 seine erste eigene Band in Eugene, Oregon gründete, sind es noch immer die gleichen Musiker, die den Grammy-Preisträger bis heute faszinieren: Die Originale! Und wo bleibt der Nachwuchs? Wohin bewegt sich der Blues im Zeitalter von Samplern, Sequenzern und Computern? Stirbt das Genre der klassischen Geschichtenerzähler langsam aus? Fragen an den sympathischen Gitarristen, Sänger und Songwriter anläßlich der Veröffentlichung seines neuen Albums ,Take Your Shoes Off‘.

 

G&B: Deine musikalische Ausrichtung hat sich zunehmend vom puren Blues entfernt, hin zu Nashville-Sound und Motown-Soul. Ich nehme an, das war auch die Basis für ,Take Your Shoes Off‘?

Cray: Genau, auch wenn es diesmal keine konkrete Zielsetzung gab. Wir hatten ein paar Coversongs wie Mack Rices ,24-7 Man‘ oder den Willie-Mitchell-Song ,Love Gone No Waste‘. Das waren die ersten Ideen, mit denen wir ins Studio gegangen sind.

G&B: Dies ist dein elftes Album. Bemerkst du da manchmal beim Aufnahmeprozeß gewisse Routinen oder Gewohnheiten?

Cray: Ohne Scherz: Das war das interessanteste Album, das ich je aufgenommen habe. Zuerst wollten wir wie immer ins Studio gehen und ich wollte selbst produzieren. Dann schlug unser Manager vor, Steve Jordan (Produzent von Keith Richards, Aretha Franklin u. a.) auszuprobieren. Zuerst ging ein Gähnen durchs Studio. Aber dann erinnerte ich mich an unsere Zusammenarbeit zu ,Hail Hail Rock & Roll‘ (für Chuck Berry). Also hörte ich mir einige seiner Produktionen an und lud Steve ein. Seine Arbeitsweise hat uns alle positiv verblüfft. Das fängt schon damit an, daß er ein Schlagzeug nach Noten stimmt, daß er verstärkt Wert auf einen guten Groove legt, Instrumente wie Akkordeon, oder Bariton-Gitarre einsetzt und ganz bestimmte Mikrofonsituationen schaffen wollte. So hatten wir noch nie gearbeitet. Am Ende waren wir uns alle einig: Wir hatten noch nie so hart im Leben geschuftet. Aber wir hatten auch noch nie so viel Spaß im Studio!

G&B: Wie siehst du deine Weiterentwicklung als Künstler mit diesem Album?

Cray: Jede Platte ist Teil meiner persönlichen Chronologie. Ich habe gelernt, Song-dienlicher zu spielen als früher. Ich nehme mir heute auch mehr Zeit, ein Stück zu verstehen. Wenn ich mir alte Aufnahmen anhöre, merke ich, daß ich zunehmend erwachsener geworden bin.

G&B: Mit 45 sollte man das meinen. Andererseits wollen viele Künstler um nichts in der Welt erwachsen werden ...

Cray: Nun, in meinem Alter ist das wohl angebracht. Außerdem: Meine Musik basiert auf Blues und R&B. Da geht es inhaltlich um das Leben. Und je älter du wirst, desto reichhaltiger wird dein Erfahrungsschatz. Du kannst bestimmte Ereignisse und Erfahrungen eher nachvollziehen und dich dadurch besser ausdrücken. Klar, als ich jung war, spielte ich Songs von B.B. King, in kleinen Clubs. Aber was wußte ich mit sechzehn schon vom Leben? Erst das Alter eröffnet dir die Perspektiven und gibt dir ein wirkliches Gefühl, solche Nummern zu singen ... 

Story: Stefan Woldach
Fotos: Silvertone

 

Das komplette Interview mit Robert Cray kann man in Gitarre & Bass 07/99 nachlesen – ab Freitag den 18. Juni im Zeitschriftenhandel, bei guten Musikhändlern oder – für Abonnenten – beim Postboten erhältlich!

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