
| STEVE HACKETT Meister des Goldenen Tons Es ist schon erstaunlich: Nach acht Alben mit Genesis, deren Songs und Sound er maßgeblich geprägt hat, sowie dem Ruf, einer der interessantesten und vielschichtigsten Gitarristen des Vereinigten Königreiches zu sein, hat Steve Hackett trotz beachtlicher achtzehn Soloalben nie den kommerziellen Durchbruch geschafft. Ob ihm der vielleicht mit seinem neuen Werk ,Darktown gelingen könnte, ist dem virtuosen Klangtüfftler nebensächlich. So lange er seine sensiblen akustischen Welten verstanden fühlt ... Nur wenige Gitarristen bewegen sich stilsicher in beiden Welten: Ob elektrische oder akustische Gitarre, Hacketts Spiel ist von äußerster Präzision geprägt. Der Mann ist eben Perfektionist. Seine Kompositionen sind facettenreich, sein Melodiespiel ist ungewöhnlich, sein Sound besitzt Wiedererkennungswert. Ob Progressive Rock bei Genesis, Stadion-Rock mit GTR, klassische Interpretationen von Vivaldi oder sphärische Sound-Collagen: Der Mann strahlt stets eine würdevolle Souveränität aus. Darktown G&B: Die Stimmung vieler deiner Alben ist düster-melancholisch, deine Kompositionen und Arrangements sind äußerst komplex. Wenn Musik eine Reflexion der Seele ist, wie sieht es dann in deinem Inneren aus? Hackett: Es ist schwer, seine eigene Persönlichkeit zu beschreiben. Ich lese viel über Psychologie und Philosophie, bin ständig auf der Suche nach Thesen und Antworten. Ich kenne natürlich meine Stärken und Schwächen. Ich bin alles andere, als perfekt und sicherlich ein Kopfmensch. Aber meine Musik soll emotional berühren und in zweiter Linie erst intellektuell verstanden werden. G&B: Du hast im Laufe deiner Karriere eine ganz eigenes, typisches Melodiespiel entwickelt. Könnte man das als Markenzeichen von Steve Hackett sehen? Hackett: Da stimme ich dir zu. Ich übe viel auf der akustischen Gitarre und beschäftige mich seit langem mit Arpeggio-Figuren. Aber ich spiele sie nicht, wie viele andere Gitarristen, sehr schnell, sondern ich konzentriere mich darauf, sie in einen fließenden Kontext zu setzen. Wie etwa bei einem Klavier. Ich versuche so oft, wie möglich, innerhalb eines Akkordes über alle Saiten zu spielen. G&B: Viele Passagen klingen jedoch sehr kompliziert ... Hackett: Um ganz ehrlich zu sein: Wenn ich einen Song einspiele, mogle ich massiv im Studio. Ich arbeite mit einer Menge Drop-Ins. (lacht) Ich benutze jeder Möglichkeit, um das umzusetzen, was ich will. Wenn ich eine virtuose Performance hinlegen will, überlege ich nicht lange, wie ich das in einem Take hinkriege. G&B: Kommen wir zu deinem neuen Album ,Darktown. Der Opener ,Omega Metallicus erinnert, was die pumpende Baßlinie und die synthetischen Beats betrifft, ziemlich an Jeff Becks letztes Album. Hackett: Wirklich? Nun, rhythmisch betrachtet, stimmt das wohl. Ich nehme das als Kompliment. Denn Jeff ist ein feiner Gitarrist. Ich habe seine Karriere über all die Jahre verfolgt. Aber stilistisch betrachte ich ihn eher als rein elektrischen Gitarristen, während ich mich darauf verlegt habe, in beiden Lagern zuhause zu sein. Die meisten Gitarristen investieren all ihr Können in einen Stil und verfolgen den mit ihrer ganzen Leidenschaft. Ich jedoch halte es für möglich, beide Genres zu verbinden und dabei sogar einen sehr hohen Standard zu erreichen ... Story: Stefan Woldach
Das komplette Interview mit Steve Hackett kann man in Gitarre & Bass 07/99 nachlesen ab Freitag den 18. Juni im Zeitschriftenhandel, bei guten Musikhändlern oder für Abonnenten beim Postboten erhältlich! © Copyright: Gitarre & Bass - ein Magazin des MM-Musik-Media-Verlag GmbH |