KEZIAH JONES

Eigentlich sollte Keziah Jones in einem Londoner Elite-Internat ein strammes Bildungspaket als Vorbereitung auf eine Karriere als Manager geschnürt bekommen. Karriere hat der Sohn eines nigerianischen Großindustriellen und Yoruba-Stammesfürsten auch gemacht – allerdings als Musiker. Mit neunzehn entfloh der Sänger und Gitarrist seinen goldenen Ketten und trampte nach Paris, um sein Glück als Straßenmusiker zu versuchen. Dort schuf der „Obdachlose aus der feinen Familie" einen Stilmix aus Blues & Funk, kurz „Blufunk". Mit Erfolg: Plattenvertrag, Debütalbum und glänzende Kritiken. Nach seinem hochgelobten Erstling ,Blufunk Is A Fact‘ und dem nicht minder gefeierten Nachfolger ,African Spacecraft‘ veröffentlicht er nun sein drittes Werk ,Liquid Sunshine‘ mit dem sich nun der Kreis schließt: Einmal Blufunk und zurück – eine musikalische Analyse.

Zum besseren Verständnis: Der neunundzwanzigjährige Wanderer zwischen den Welten ist kein redseeliger Selbstdarsteller. Eher ein verschlossener Grübler und Theoretiker, dem man anmerkt, daß er sich stets nur auf sich selbst verlassen hat. Auf seinem Weg zwischen afrikanischer Tradition und westlicher Moderne verfolgt er das Ideal eines allumfassend gebildeten Künstlers. Maler wie Jean Michel Basquiat und Schriftsteller wie T.C. Boyle faszinieren ihn genauso, wie Johnny Guitar Watson oder Jimi Hendrix, die ihn zum Gitarrespielen animierten. „Auf der Suche nach der Kunst benutzen wir unterschiedliche Medien, aber für mich gibt es keinen Unterschied. Ich bewege mich problemlos zwischen Musik, Malerei und Literatur und ihren unterschiedlichen Formaten, Ausdrucksformen und Denkweisen. Denn das bedeutet wahre Kunst für mich."

Blufunk Is A Fact
Was ist denn nun „Blufunk"? Laut Keziah Jones eine je nach Song gewichtete Mischung aus Blues und Funk, die er mit dem ihm eigenen Selbstbewußtsein erklärt: „Ich mache Musik nach meiner Interpretation von dem, was in der Welt um mich herum passiert. Da ich afrikanische Wurzeln habe, steht meine Musik sicherlich in einem Bezug zur traditionellen schwarzen Musik, muß aber nicht zwingend ihre Einflüsse reflektieren. Musikwissenschaftler werden diese Elemente sicherlich in meinem Gitarrenstil finden. Aber weil ich alle meine Einflüsse recht abstrakt nutze, ist daraus ein eigener Stil in der Popwelt geworden."

Genau genommen entstand Jones Stil zunächst aus einer Kombination von Neugier und Notwendigkeit, wie er rückblickend erklärt: „Um Straßenmusik machen zu können, mußte ich einen Weg finden, ohne technische Hilfsmittel zu spielen. Also kaufte ich mir eine akustische Gitarre mit Stahlsaiten. Aber das war es irgendwie nicht. Einerseits wollte ich ein breiteres Griffbrett und mehr Platz zwischen den einzelnen Saiten haben, andererseits taten mir ständig die Fingerkuppen von den Stahlsaiten weh. Da entdeckte ich, daß es Spanische Gitarren, also Konzertgitarren mit Nylonsaiten gibt!

Aber als ich später eine Band gründete, bekam ich neue Probleme. Die Gitarre mit einem Mikrofon abzunehmen, war für die Live-Situation unmöglich. Und mit einem Pickup hatte ich ständig Probleme mit Rückkopplungen. Dann sah ich in einem Second-Hand-Laden dieses Gibson-Chet-Atkins-Modell. Vom Prinzip her ist es eine Nylon-String-Gitarre, sie ist aber nur semiakustisch, mit Tonabnehmer. Ab diesem Tag war ich in der Lage, meine Ideen voll umzusetzen ..."

Story: Stefan Woldach
Fotos: L.J. Eifel, Virgin

 

Die komplette Story über Keziah Jones & seine Musik kann man in Gitarre & Bass 07/99 nachlesen – ab Freitag den 18. Juni im Zeitschriftenhandel, bei guten Musikhändlern oder – für Abonnenten – beim Postboten erhältlich!

 © Copyright: Gitarre & Bass - ein Magazin des MM-Musik-Media-Verlag GmbH

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