Hoyer Jazz ‘57  

 

Hoyer Jazz ‘57

Ganz in der Tradition einst erfolgreicher deutscher Gitarrenbaukunst stellte die Firma Hoyer auf der diesjährigen Musikmesse in Frankfurt eine ganze Modellpalette von Jazzgitarren vor.

Neben dem bereits getestetem Topmodell der German Jazz Deluxe gibt es noch einige weitere interessante Instrumente, von denen hier mit der Jazz ‘57 ein relativ preiswertes Modell einer in Korea hergestellten Vollresonanz-Jazzgitarre getestet werden soll.

konstruktion
Die Form der Jazz ‘57 ist klar an die legendäre ES175 von Gibson angelehnt. Dies findet sich auch bei den verwendeten Materialien wieder, so daß der Korpus wie beim Vorbild ebenfalls aus Ahorn-Laminat gefertigt ist. Von der Maserung des Holzes ist beim Metallic Gold Modell (MGD) natürlich nichts zu sehen, bei der Tobacco Sunburst (TBS) schimmert die Ahornstruktur jedoch sehr schön durch die Lackierung. Die Korpusmaße bewegen sich mit einer Schulterbreite von 29 cm, einer Tiefe von bis zu 9,7 cm und einer maximalen Breite von 40,2 cm im üblichen Rahmen, wobei anzumerken ist, daß diese Instrumente eher tief als breit sind.

Alle Verbindungsstellen sind mit einem einfachen weißen Kunststoff-Binding eingefaßt, wobei die Einfassung der Decke mit einem schwarz-weiß gestreiften Binding optisch hervorgehoben wird. Der Steg besteht aus schwarzem Palisander und läßt sich mit zwei Schrauben in der Höhe verstellen. Das Schlagbrett besteht aus einem weißen Perloid-Kunststoff und ist mit einer Halterung an der unteren Zarge und mit einer weiteren Schraube an der Decke befestigt.

Der eingeleimte einteilige Ahornhals hat eine schräg unter dem 2. Bund angesetzte Kopfplatte (schwarz lackiert) und trägt den Schriftzug des Herstellers in Perlmutt eingelegt. Das Palisandergriffbrett ist mit 20 sogenannten „Jumbo Frets" bundiert. Ebenfalls aus Perlmutt sind die „Block Inlays", die in ungewöhnlich großer Zahl am 1., 3., 5., 7., 10., 12., 15., 17. und 19. Bund in das Griffbrett eingelegt sind.

Der Unterschied zwischen den beiden Testmodellen besteht hauptsächlich in der Lackierung und in der Verwendung der Hardware aus deutscher Produktion. So sind der Saitenhalter, die Pickup-Abdeckungen, der Gurthalteknopf, der Pickup-Wahlschalter, die Halterung für das Schlagbrett und natürlich die Mechaniken bei der Metallic Gold verchromt, bei der Tobacco Sunburst hingegen vergoldet. Dort hat man wohl nur vergessen, die Klinken-Eingangsbuchse ebenfalls in der Goldausführung zu montieren.

Die Mechaniken sind wie die gesamte Hardware ebenfalls in Deutschland hergestellt. Die Tonabnehmer heißen einfach „Hoyer ‘57" und kommen auch bei weiteren Jazz-Gitarren-Modellen der Firma zum Einsatz. Schaltung und Verdrahtung der Elektrik entsprechen der traditionellen Herstellung: ein Dreiweg-Wahlschalter regelt die Anwahl der Pickups und für jeden Tonabnehmer stehen je ein Lautstärke- und ein Tonregler zur Verfügung.

praxis
Man merkt sofort, daß diese Gitarren gar nicht erst für den akustischen Betrieb ausgelegt sind: der trockene Klang ist relativ dünn. Die Stärken der Jazz ‘57 liegen eindeutig im elektrischen Betrieb, wo sie mit einem durchscheinenden Klangbild zu überzeugen weiß, welches in den Tiefen und den unteren Mitten deutlich fett klingt, in den Mitten etwas drahtig und in den Höhen angenehm weich ans Ohr dringt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Neigung zum Dröhnen auf den beiden tiefen Saiten bei hohen Lautstärken. Man bekommt dieses Problem aber in den Griff, wenn man die Tonabnehmer etwas weiter von den Saiten entfernt, wobei leider auch ein wenig Sound verloren geht.

Die ab Werk aufgezogenen ungeschliffenen Saiten von GHS in den Stärken von .011 bis .052 passen gut zu diesem Klangbild und vermitteln ein deutlich jazziges Spielgefühl, ohne daß man auf das Ziehen von Saiten oder andere Effekte wie z. B. Slappen verzichten muß. Mit dieser Gitarre lassen sich also auch Sounds im Bereich Fusion und Blues produzieren, was den Kreis der Käufer erheblich erweitern dürfte. Die Bespielbarkeit des Halses ist sehr gut, so daß man beim Spielen häufig vergißt, daß man eine so preisgünstige Gitarre spielt. Insgesamt gefällt mir das Modell mit der Sunburst-Lackierung besser, zum einen wegen des besseren Aussehens, zum anderen aber auch wegen des besseren Spielgefühls. In der Übersicht läßt sich nachvollziehen, daß die beiden Zwillingsschwestern in dieser Hinsicht eben doch nicht in allen Punkten gleich sind.

resümee
Die Jazz ‘57 ist eine erfreulich preiswerte Gitarre mit deutlichen Stärken im elektrischen Betrieb und ohne eine auffallende Schwäche. Für knapp über der Schallmauer von DM 2000,– erhält man ein rundum zufriedenstellendes Instrument mit Koffer, mit dem es sich für viele Jahre gut zurecht kommen läßt. Für Jazz-Anfänger, Jazz-Umsteiger, Blues- und Fusion-Spieler mit schmalem Budget eine sehr gute Wahl.

P L U S

  • Hardware
  • Bespielbarkeit
  • elektrisch verstärkter Klang
  • Koffer

Ü B E R S I C H T

  • Fabrikat: Hoyer
  • Modell: Jazz ’57 TBS
  • Herkunftsland: Korea
  • Typ: Vollresonanz-Jazzgitarre
  • Mensur: 650 (mm)
  • Hals: Ahorn, einteilig, Palisandergriffbrett, 20 Bünde
  • Halsform: D, abgeflacht
  • Halsbreite: Sattel: 42,6; XII. Bund: 52,6 (mm),
  • Halsdicke: Sattel: 22,0; X. Bund: 22,8 (mm),
  • Binding: Kunststoff
  • Decke: Ahornlaminat
  • Korpus: Ahornlaminat
  • Oberflächen: Nitrolack, Hochglanz
  • Tonabnehmer: 2´ Hoyer ‘57
  • Bedienfeld: 2´ Volume, 2´ Tone
  • Steg: Palisander, höhenverstellbar
  • Sattel: Kunststoff
  • Hardware: verchromt
  • Mechaniken: Hoyer (16:1)
  • Saitenlage: E-1st: 2,6; E-6th: 2,6 (mm)
  • Gewicht: ca. 3,1 (kg)
  • Preise: ca. DM 2175,–

Frank Haunschild

 

Diesen Testbericht & noch eine Menge mehr kann man in der August-Ausgabe von Gitarre & Bass nachlesen – ab Freitag den 16. Juli im Zeitschriftenhandel, in guten Musikgeschäften oder (für Abonnenten) beim Postboten erhältlich!

© Copyright: Gitarre & Bass - ein Magazin des MM-Musik-Media-Verlag GmbH

home